Die meisten Fehlkäufe rund um KI passieren an einem einzigen Wort. Ein Anbieter verspricht einen „KI-Agenten“, geliefert wird ein Chatfenster mit hinterlegtem Text. Ein Kurs verspricht „Prompt-Engineering“, und am Ende hast du zwanzig Formeln, die bei deinem Business nichts Besonderes hervorbringen.
Die Begriffe stammen fast alle aus der Entwicklerwelt. Für deine Entscheidungen brauchst du sie trotzdem, denn mit genau diesen Wörtern wird dir KI verkauft. Deshalb findest du hier die zwanzig Begriffe, die mir in Gesprächen mit Unternehmern am häufigsten begegnen. Zu jedem steht, was er heißt, und was er für dein Business bedeutet. Der zweite Teil ist der wichtigere.
Du kannst den Artikel von oben nach unten lesen oder direkt zu dem Begriff springen, der dich gerade beschäftigt.
Alle Begriffe auf einen Blick
Die Grundlagen: Künstliche Intelligenz (KI) · Generative KI · Sprachmodell (LLM) · Chatbot · Multimodal
Mit KI arbeiten: Prompt · Kontext und Kontextfenster · Token · Halluzination · Wissensstand (Knowledge Cutoff)
Werkzeuge und Bausteine: Custom GPT und Projekte · Skill · KI-Agent · RAG (Wissensdatenbank) · Fine-Tuning
KI im Unternehmen einsetzen: Automatisierung · API (Schnittstelle) · Datenschutz und AVV
Recht und Sichtbarkeit: KI-Kennzeichnung (EU-KI-Verordnung) · GEO (KI-Suche)
Die Grundlagen
Künstliche Intelligenz (KI)
Der Sammelbegriff für Software, die Aufgaben erledigt, für die man bisher menschliches Urteil brauchte: Texte verstehen, Bilder erkennen, Muster in Daten finden. Der Begriff ist alt und sehr breit. Die Rechtschreibprüfung in deinem Mailprogramm fällt genauso darunter wie ChatGPT.
Für dein Business: Wenn ein Anbieter „mit KI“ wirbt, weißt du danach noch nichts. Frag nach, was die Software konkret tut und woher sie ihr Wissen hat. Die Antwort sagt dir mehr als das Etikett.
Generative KI
KI, die etwas Neues erzeugt: Texte, Bilder, Videos, Stimmen, Code. ChatGPT, Claude, Gemini oder Bildgeneratoren wie Midjourney gehören dazu. Wenn heute im Alltag von KI die Rede ist, ist fast immer generative KI gemeint.
Für dein Business: Generative KI liefert Entwürfe. Sie spart dir den Anfang, die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei dir.
Sprachmodell (LLM)
LLM steht für Large Language Model, also großes Sprachmodell. Es ist der Motor hinter ChatGPT, Claude und Gemini. Das Modell hat an riesigen Textmengen gelernt, welches Wort mit welcher Wahrscheinlichkeit auf das nächste folgt, und kann daraus Antworten, Zusammenfassungen und Texte bauen.
Für dein Business: Ein Sprachmodell schreibt den wahrscheinlichsten Text zu deiner Anfrage. Weiß es nichts über dein Unternehmen, ist der wahrscheinlichste Text der Durchschnitt deiner Branche. Genau deshalb klingen so viele KI-Texte gleich.
Chatbot
Ein Programm, mit dem man sich in einem Chatfenster unterhält. Früher liefen Chatbots über feste Frage-Antwort-Bäume, heute steckt meist ein Sprachmodell dahinter.
Für dein Business: Ein Chatbot auf deiner Website antwortet nur so gut wie die Informationen, die du ihm gibst. Stehen deine Preise, Abläufe und Grenzen nirgends sauber aufgeschrieben, erfindet er im Zweifel etwas dazu. Erst die Inhalte klären, dann den Bot einbauen.
Multimodal
Eine KI ist multimodal, wenn sie mehr als Text versteht: Fotos, PDFs, Screenshots, Tabellen oder gesprochene Sprache. Die großen Modelle können das inzwischen alle.
Für dein Business: Du musst nicht alles abtippen. Ein Foto vom Whiteboard, ein Screenshot deiner Website oder ein PDF-Angebot reichen als Material. Das spart viel Zeit, sobald man es einmal ausprobiert hat.
Mit KI arbeiten
Prompt
Die Anweisung, die du der KI gibst. Das kann eine Frage sein, ein Auftrag oder eine ausführliche Beschreibung mit Beispielen.
Für dein Business: Ein guter Prompt steuert die Form, aber er ersetzt kein Wissen über dein Business. Viele verbringen Stunden mit Prompt-Formeln und wundern sich, warum das Ergebnis trotzdem austauschbar bleibt. Der größere Hebel ist das Material, das du mitgibst.
Kontext und Kontextfenster
Kontext ist alles, was die KI in einem Gespräch vor Augen hat: deine Nachrichten, hochgeladene Dateien, frühere Antworten. Das Kontextfenster ist die Grenze, wie viel davon auf einmal hineinpasst. Bei aktuellen Modellen reicht es oft für mehrere hundert Seiten.
Für dein Business: Kontext ist der Unterschied zwischen einem Text von der Stange und einem Text, der nach dir klingt. Wer seine Fakten, Preise und Regeln einmal ablegt, muss sie nicht in jedem Chat neu erklären. Wie so eine Ablage aussieht, zeige ich in Claude Brain.
Token
Die Einheit, in der ein Sprachmodell Text verarbeitet. Ein Token ist ein Wortbaustein, grob zwischen einer Silbe und einem ganzen Wort. Deutsche Texte brauchen meist mehr Token als englische.
Für dein Business: Token sind die Währung der KI. Nach ihnen richten sich Nutzungsgrenzen in den Abos und die Kosten, wenn du KI über eine Schnittstelle in eigene Abläufe einbaust. Für den Alltag im Chat musst du nicht mitzählen.
Halluzination
So nennt man es, wenn eine KI etwas Falsches mit voller Überzeugung behauptet: eine Quelle, die es nicht gibt, ein Urteil, das nie gefallen ist, eine Zahl ohne Grundlage. Das passiert, weil das Modell wahrscheinliche Sätze baut und nicht nachschlägt, ob sie stimmen.
Für dein Business: Zahlen, Preise, Namen, Rechtsfragen und Zitate prüfst du selbst, bevor sie rausgehen. Hilfreich ist die klare Anweisung, lieber nachzufragen als zu raten. Dann füllt die KI Lücken seltener mit Erfundenem.
Wissensstand (Knowledge Cutoff)
Ein Sprachmodell lernt bis zu einem bestimmten Stichtag. Was danach passiert ist, kennt es nicht, es sei denn, es kann im Internet suchen oder du gibst ihm die Information mit.
Für dein Business: Fragst du nach aktuellen Preisen, neuen Gesetzen oder dem Stand eines Tools, kann die Antwort veraltet sein, ohne dass die KI es dazusagt. Bei allem, was sich schnell ändert: Websuche einschalten oder die Quelle selbst mitgeben.
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Werkzeuge und Bausteine
Custom GPT und Projekte
Ein Custom GPT ist eine eigene Version von ChatGPT mit fest hinterlegten Anweisungen und Dateien. Bei Claude heißt das Gegenstück Projekt. Beides spart dir, jedes Mal dieselben Hintergründe neu zu erklären.
Für dein Business: Für wiederkehrende Aufgaben wie Angebotsmails, Social-Media-Posts oder Kundenantworten lohnt sich das fast immer. Leg für jede Aufgabe eine eigene Version an. Je klarer der Zweck, desto besser das Ergebnis.
Skill
Ein Skill ist bei Claude ein Paket aus Anleitung, Beispielen und manchmal kleinen Programmen, das die KI bei Bedarf selbst hinzuzieht. Man kann es sich wie eine Arbeitsanweisung vorstellen, die im Schrank liegt und erst herausgeholt wird, wenn die Aufgabe dazu passt.
Für dein Business: Skills machen aus einem einmal gut gelösten Ablauf etwas Wiederholbares: gleicher Aufbau, gleiche Qualität, jedes Mal. Wer eine Aufgabe regelmäßig mit KI erledigt, sollte sie früher oder später als Skill ablegen.
KI-Agent
Ein KI-Agent erledigt Aufgaben in mehreren Schritten und benutzt dafür Werkzeuge: Er liest Dateien, sucht im Netz, füllt Tabellen, schreibt Mails. Du gibst ein Ziel vor, der Agent plant den Weg dorthin und meldet sich, wenn er eine Entscheidung braucht.
Für dein Business: Das Wort wird gerade inflationär benutzt. Nicht alles, was „Agent“ heißt, arbeitet selbstständig. Frag bei Angeboten nach, welche Schritte das Programm wirklich ohne dich erledigt. Wie das in der Praxis aussieht, beschreibe ich in Claude Chat, Cowork oder Code.
RAG (Wissensdatenbank)
RAG steht für Retrieval Augmented Generation. Gemeint ist, dass die KI vor der Antwort in deinen eigenen Unterlagen nachschlägt, etwa in Handbüchern, Preislisten oder alten Angeboten, und ihre Antwort darauf stützt.
Für dein Business: Das ist die Technik hinter jedem „Chat mit deinen Dokumenten“. Sie funktioniert nur so gut, wie deine Unterlagen gepflegt sind. Drei widersprüchliche Preislisten ergeben eine widersprüchliche Antwort.
Fine-Tuning
Beim Fine-Tuning wird ein bestehendes Modell mit eigenen Beispielen nachtrainiert, damit es sich dauerhaft anders verhält. Das ist aufwendig, kostet Geld und braucht viele saubere Beispiele.
Für dein Business: Für kleine und mittlere Unternehmen ist Fine-Tuning so gut wie nie der richtige Schritt. Gute Anweisungen, ein Projekt mit deinen Unterlagen oder ein Skill bringen dich schneller und günstiger zum Ziel. Bietet dir jemand Fine-Tuning an, frag, warum die einfachen Wege nicht reichen.
KI im Unternehmen einsetzen
Automatisierung
Automatisierung heißt, dass ein Ablauf ohne dein Zutun läuft: Eine neue Anfrage landet automatisch in der Tabelle, eine Rechnung geht automatisch raus. Das funktioniert auch ganz ohne KI, über feste Regeln. KI kommt ins Spiel, wenn ein Schritt Urteil braucht, etwa eine Mail einordnen oder eine Antwort vorformulieren.
Für dein Business: Bevor du einen Ablauf automatisierst, muss er von Hand funktionieren. Ein schlechter Prozess wird durch KI nur schneller schlecht. Warum das so ist, steht in diesem Artikel.
API (Schnittstelle)
Eine API ist eine Schnittstelle, über die Programme miteinander reden. Über die API eines KI-Anbieters kann deine Software, dein Shop oder ein Automatisierungswerkzeug wie Make, Zapier oder n8n das Sprachmodell direkt ansprechen, ohne Chatfenster.
Für dein Business: Die API brauchst du erst, wenn KI in eigene Abläufe eingebaut werden soll. Abgerechnet wird dann meist nach Verbrauch, also nach Token. Für Texte, Ideen und Auswertungen im Alltag reicht das normale Abo.
Datenschutz und AVV
Sobald du personenbezogene Daten in ein KI-Werkzeug gibst, also Namen, Mailadressen oder Kundendaten, verarbeitet der Anbieter diese Daten in deinem Auftrag. Dafür brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag, kurz AVV. Die Business-Tarife der großen Anbieter bieten ihn an, kostenlose Privatkonten meist nicht.
Für dein Business: Kundendaten gehören nicht in ein privates Gratiskonto. Prüf, welchen Tarif du nutzt, ob ein AVV abgeschlossen ist und ob deine Eingaben zum Training verwendet werden dürfen. Das ist keine Rechtsberatung, aber die Frage solltest du beantworten können, bevor ein Kunde sie stellt.
Bevor KI auf deine Website kommt: Weißt du, wo Besucher heute abspringen?
Ein Chatbot oder eine neue Automatisierung repariert keine Seite, auf der der Weg zur Anfrage abbricht. Die Website-Diagnose zeigt dir, an welcher Stelle es klemmt, ohne Termin, ohne Zugänge, Ergebnis in wenigen Minuten. 49 Euro einmalig.
Recht und Sichtbarkeit
KI-Kennzeichnung (EU-KI-Verordnung)
Seit dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 der EU-KI-Verordnung. Wer KI-generierte Bilder, Videos oder Tonaufnahmen veröffentlicht, die echt wirken, muss sie als solche kennzeichnen. Für Texte ist die Pflicht enger gefasst und greift nicht, wenn ein Mensch den Text prüft und dafür geradesteht.
Für dein Business: Für die meisten Selbstständigen betrifft das vor allem Bilder in Social Media und auf der Website. Was du vor dem Stichtag erstellt hast, darf bleiben, wenn du das Datum belegen kannst. Die Details stehen in diesem Artikel zur Kennzeichnung.
GEO (KI-Suche)
GEO steht für Generative Engine Optimization. Gemeint ist, dass deine Website nicht nur bei Google auftaucht, sondern auch in den Antworten von ChatGPT, Perplexity oder den KI-Übersichten in der Google-Suche. Dafür zählen klare Aussagen, konkrete Fakten und eine Seite, die auch eine Maschine gut lesen kann.
Für dein Business: Immer mehr Menschen fragen eine KI, bevor sie googeln. Wer dort nicht vorkommt, fehlt in einer Vorauswahl, von der er nie erfährt. Wie du dafür sorgst, dass du genannt wirst, steht in Wie deine Website von Google und ChatGPT gefunden wird.
Was du von diesen Begriffen wirklich brauchst
Du musst keinen dieser Begriffe auswendig können, um KI gut zu nutzen. Drei Dinge solltest du aber mitnehmen. KI schreibt den wahrscheinlichsten Text, und wahrscheinlich heißt durchschnittlich, solange sie nichts über dich weiß. Was sie über dich weiß, ist dein Kontext, und den legst du am besten einmal sauber ab. Und bei allem, was ein Anbieter mit einem dieser Wörter verspricht, fragst du nach, was die Software konkret tut.
Fehlt dir ein Begriff, der dir immer wieder begegnet? Schreib ihn mir, dann kommt er in die Liste.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen KI und ChatGPT?
KI ist der Oberbegriff für Software, die Aufgaben mit einer Art Urteil erledigt. ChatGPT ist ein bestimmtes Produkt der Firma OpenAI, das auf einem Sprachmodell läuft. Claude von Anthropic und Gemini von Google sind vergleichbare Produkte anderer Anbieter.
Welche KI-Begriffe sollte ich als Selbstständiger kennen?
Für den Alltag reichen fünf: Prompt, Kontext, Halluzination, Wissensstand und Datenschutz mit AVV. Damit verstehst du, warum Ergebnisse gut oder schlecht werden, wo du nachprüfen musst und welche Daten du eingeben darfst. Den Rest brauchst du, sobald du Werkzeuge kaufst oder Abläufe automatisierst.
Brauche ich eine eigene KI für mein Unternehmen?
In den allermeisten Fällen nicht. Ein gutes Abo bei einem der großen Anbieter, ergänzt um deine eigenen Unterlagen in einem Projekt oder Custom GPT, deckt fast alles ab, was kleine und mittlere Unternehmen brauchen. Eigenes Training lohnt sich erst bei sehr speziellen Aufgaben mit sehr vielen Beispielen.
Darf ich Kundendaten in ChatGPT oder Claude eingeben?
Nur in einem Tarif, für den ein Auftragsverarbeitungsvertrag besteht und bei dem deine Eingaben nicht zum Training verwendet werden. In ein privates Gratiskonto gehören keine personenbezogenen Daten. Im Zweifel anonymisierst du, bevor du etwas eingibst.
Warum erfindet die KI manchmal Fakten?
Weil ein Sprachmodell wahrscheinliche Sätze baut und dabei nicht nachschlägt, ob sie stimmen. Weniger wird es, wenn du der KI die Fakten selbst mitgibst, ihr die Websuche erlaubst und ausdrücklich sagst, dass sie nachfragen soll, statt zu raten.

