Vor ein paar Tagen habe ich meine Website durch ein SEO-Prüftool laufen lassen. Neben Sitemap, Ladezeit und den Einstellungen für KI-Crawler schätzt es auch ein, ob die Texte einer Seite von einem Menschen oder von einer KI stammen. Das Ergebnis für projektschmiederei.de: „Sehr wahrscheinlich von einem Menschen verfasst“, KI-Wahrscheinlichkeit 20 Prozent.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil ein großer Teil der Texte auf dieser Website mit KI entstanden ist. Blogartikel, Produktseiten, Fragen-und-Antworten-Blöcke. Ich mache daraus kein Geheimnis, es gehört zu dem, was ich zeige und verkaufe.

Richtig interessant wurde es erst beim Vergleich. Dieselbe Prüfung für eine andere Website ergab 85 Prozent, „Sehr wahrscheinlich von einer KI verfasst“.

Was das Tool als Begründung liefert
Aufschlussreicher als die Prozentzahl ist die Begründung, die das Tool mitliefert. Über meine Seite steht dort, der Text verwende eine sehr direkte, eigenwillige Sprache und nenne konkrete Preise, Namen und Laufzeiten, was eher gegen eine KI-Generierung spreche. Über die andere Seite: typische Marketing-Formulierungen, gleichförmige Aufzählungen nach dem Muster Ausgangslage, Lösung, Ergebnis und eine sehr glatte Struktur, wie sie oft von Sprachmodellen erzeugt wird.
Der Unterschied liegt also nicht darin, ob eine KI beteiligt war. Er liegt darin, was die KI über das Unternehmen wusste, als sie geschrieben hat.
Eine Einschränkung gehört dazu, und das Tool nennt sie selbst: Die Einschätzung stammt aus einer Stilanalyse durch ein Sprachmodell, nicht aus einer Messung. Sie ist kein Beweis und kann bei sachlichen, gut strukturierten Texten zu hoch ausfallen. Ich lese die Zahl deshalb nicht als Urteil, sondern als Hinweis darauf, wie ein Text auf einen aufmerksamen Leser wirkt. Dieser aufmerksame Leser ist am Ende dein Kunde.
Warum KI-Texte so oft nach KI klingen
Eine KI schreibt, grob vereinfacht, den wahrscheinlichsten Text zu deiner Anfrage. Weiß sie über dich nicht mehr als „Coach für Selbstständige“ oder „Handwerksbetrieb mit zwölf Mitarbeitern“, dann ist der wahrscheinlichste Text der Durchschnitt aller Texte, die es zu diesem Thema schon gibt. Und dieser Durchschnitt klingt nach Marketing.
Man erkennt ihn an Mustern, die sich wiederholen:
- Formulierungen, die auf jeder Website stehen könnten, etwa „maßgeschneiderte Lösungen“, „ganzheitlicher Ansatz“ oder „dein Business auf das nächste Level bringen“.
- Aufzählungen im immer gleichen Takt, oft genau drei Punkte, jeder ungefähr gleich lang.
- Kurze Sätze hintereinander, die bedeutsam klingen sollen und dabei nichts behaupten.
- Keine einzige Zahl, kein Name, kein Preis, kein Zeitraum.
- Eine Haltung, die niemandem widerspricht, weil sie niemanden ausschließen will.
Keines dieser Muster ist für sich verboten, und Menschen schreiben auch so. Kommen sie aber alle zusammen, merkt ein Leser nach drei Absätzen, dass hier eigentlich niemand spricht. Er kann es vielleicht nicht benennen, aber er liest weniger aufmerksam und vertraut weniger.
Was deine KI wissen muss, damit der Text nach dir klingt
Die übliche Antwort auf das Problem ist ein besserer Prompt: „Schreib locker“, „schreib menschlicher“, „vermeide Floskeln“. Das hilft ein wenig, aber an der Ursache ändert es nichts. Die KI kennt dich danach immer noch nicht, sie verpackt den Durchschnitt nur freundlicher.
Was den Unterschied macht, ist Material. Vier Dinge braucht eine KI, damit ein Text erkennbar deiner wird.
1. Deine Fakten
Preise, Laufzeiten, die Namen deiner Angebote, echte Abläufe. Wenn eine KI weiß, dass die erste Stufe meines Sparrings 790 Euro kostet und was darin steckt, kann sie daraus keinen Floskelsatz mehr machen. Konkrete Angaben ziehen einen Text in die Wirklichkeit, und sie sind genau das, was das Prüftool bei mir als menschlich eingestuft hat.
2. Deine Fälle
Was bei Kunden passiert ist, woran es gehakt hat, was sich danach verändert hat. Solche Geschichten kann eine KI nicht erfinden, und sie soll es auch nicht. Erzählen kann sie sie aber gut, sobald sie sie kennt. Bei mir gilt deshalb eine feste Regel: Kein Fall landet in einem Text, den es nicht gab. Kennt die KI ein Detail nicht, fragt sie nach, statt es auszuschmücken.
3. Deine Sprache
Damit ist nicht nur gemeint, wie du klingst, sondern auch, was du nie sagen würdest. Ich habe eine Liste mit Wörtern, die in meinen Texten nicht vorkommen, von „Mindset-Shift“ bis „Gamechanger“, und eine Regel gegen diese Aneinanderreihung von Dreiwortsätzen, die so zuverlässig nach KI klingt. Diese Liste ist mindestens so wichtig wie jede Beschreibung meines Tonfalls, weil sie genau die Stellen abfängt, an denen der Durchschnitt sonst durchrutscht.
4. Deine Haltung
Wozu du eine Meinung hast und wem du widersprichst. Ein Text, der Position bezieht, klingt nach einer Person. Ein Text, der es allen recht machen will, klingt nach niemandem, egal ob ihn ein Mensch oder eine Maschine geschrieben hat.
Entscheidend ist, dass dieses Material nicht in jedem Chat neu eingetippt wird. Wer es jedes Mal neu erklärt, erklärt es irgendwann nur noch halb, und dann ist der Durchschnitt sofort wieder da. Es muss einmal abgelegt sein, an einem Ort, auf den die KI bei jedem Auftrag zugreift.
So hilft dir KI dabei: wie ich selbst arbeite
Meine Texte entstehen meistens so: Ich spreche Gedanken ein, oft unterwegs beim Spazierengehen. Claude arbeitet daraus einen Entwurf aus und greift dabei auf eine Ablage zu, in der mein Angebot steht, meine Preise, meine Fälle, meine Sprachregeln und die Entscheidungen, die ich schon getroffen habe. Den Entwurf lese ich, bevor er rausgeht, und korrigiere, wo etwas nicht stimmt oder nicht nach mir klingt. Jede Korrektur, die eigentlich eine Regel ist, wandert in die Ablage, damit derselbe Fehler kein zweites Mal passiert.
Das Ergebnis ist kein Text, den ich Buchstabe für Buchstabe selbst getippt habe. Es ist aber einer, der aus meinem Wissen und meiner Sprache gebaut ist. Genau das hat das Prüftool erkannt, auch wenn es die Ursache nicht kennt.
Der Aufwand liegt am Anfang, beim Anlegen dieser Ablage. Danach wird jeder Text schneller und besser, weil die KI nicht mehr bei null anfängt. Wie du so ein Gehirn für deine KI anlegst, zeige ich in Claude Brain: Ein Setup-Skill stellt dir Fragen zu deinem Business und legt danach Angebot, Preise, Kunden, Tonfall und deine Entscheidungen so ab, dass Claude bei jedem Auftrag damit arbeitet.
Was du besser lässt
Den Text so lange umzuschreiben, bis ein Prüftool zufrieden ist. Es gibt Dienste, die KI-Texte gezielt „vermenschlichen“, indem sie Satzbau verwürfeln oder kleine Holprigkeiten einbauen. Das trickst vielleicht ein Tool aus, einen Leser aber nicht. Das Ziel ist nicht, dass niemand merkt, dass eine KI beteiligt war. Das Ziel ist ein Text, bei dem dein Kunde merkt, dass du gemeint bist.
Auch Google hat klargestellt, dass es für die Bewertung nicht darauf ankommt, wie ein Text entstanden ist, sondern ob er Menschen tatsächlich weiterhilft. Konkrete Fakten, echte Erfahrung und eine erkennbare Autorin helfen dabei mehr als jede Tarnung.
Deine KI soll nach dir klingen, nicht nach allen?
Mit Claude Brain legst du einmal ab, was dein Unternehmen ausmacht: Angebot, Preise, Kunden, Tonfall und die Entscheidungen, die du schon getroffen hast. Ab da schreibt Claude mit diesem Wissen, statt jedes Mal beim Durchschnitt anzufangen. Leitfaden, Setup-Skill und Vorlagen für 79 Euro, Einführungspreis bis 31. Oktober.
Häufige Fragen
Straft Google Texte ab, die mit KI geschrieben sind?
Nicht deshalb, weil sie mit KI entstanden sind. Google bewertet, ob ein Inhalt hilfreich ist. Ärger gibt es, wenn massenhaft Seiten ohne eigenen Mehrwert erzeugt werden, nur um Suchergebnisse zu besetzen. Ein Text mit echten Fakten und echter Erfahrung hat dieses Problem nicht, egal wer ihn getippt hat.
Reicht nicht einfach ein guter Prompt?
Ein Prompt steuert die Form, aber nicht den Inhalt. Ohne deine Fakten, Fälle und Regeln füllt die KI die Lücken mit dem, was am wahrscheinlichsten ist, und das ist der Durchschnitt. Ein guter Prompt auf einer leeren Grundlage ergibt einen gut formulierten Durchschnitt.
Sollte ich meine Texte durch einen KI-Detektor schicken?
Als Anhaltspunkt kann das spannend sein, als Beweis taugt es nicht, das sagen die Tools selbst. Ein besserer Test ist dieser: Deck in Gedanken dein Logo ab und frag dich, ob ein Stammkunde erkennen würde, dass der Text von dir stammt. Wenn nicht, fehlt Material, nicht Feinschliff.
Wie lange dauert es, bis die KI meinen Ton trifft?
Das hängt vor allem davon ab, wie viel über dein Unternehmen schon irgendwo aufgeschrieben ist. Das Grundgerüst steht an einem Nachmittag. Richtig gut wird es mit der Zeit, weil jede Korrektur, die du als Regel ablegst, den nächsten Text besser macht.
Muss ich dann noch jeden Text selbst lesen?
Ja. Die Ablage sorgt dafür, dass der Entwurf nach dir klingt und die Fakten stimmen. Ob ein Satz beim Kunden so ankommt, wie du ihn meinst, entscheidest trotzdem du. Dieser letzte Blick kostet ein paar Minuten und ist der Teil, den ich nie abgebe.
