Vierundzwanzig Blogartikel auf meiner eigenen Website trugen bei Google denselben Titel. Jeder davon war einzeln geschrieben, mit eigenem Thema, eigener Überschrift und eigener Beschreibung. In den Suchergebnissen stand trotzdem vierundzwanzigmal derselbe Satz: „Strategieberatung Sabrina Fischäß – Hebel statt Aktionismus“. Die Ursache war eine einzige Einstellung im SEO-Plugin, die Korrektur hat zwei Minuten gedauert. Aufgefallen ist es wochenlang niemandem, auch mir nicht.
Dieser Artikel zeigt, wie so etwas passiert, warum es mehr kostet, als es aussieht, und wie du in zehn Minuten prüfst, ob deine eigene Website dasselbe Problem hat.
Was genau passiert war
Am 21. September habe ich meine Website von meiner KI komplett durchsehen lassen: 204 Adressen, jede Seite und jeder Beitrag. Geprüft wurde alles, was Google zu sehen bekommt, also Titel, Beschreibung, Überschriften und einige technische Angaben.
Der auffälligste Fund war der Titel. Alle Artikel, die seit Ende August erschienen waren, hatten denselben. Im SEO-Plugin gibt es eine Vorlage, aus der der Titel automatisch zusammengesetzt wird, wenn man bei einem Artikel keinen eigenen einträgt. In meiner Vorlage fehlte der Platzhalter für den Artikeltitel. Bei älteren Artikeln hatte ich den Titel noch von Hand gesetzt, bei den neueren nicht mehr. Bei allen neueren griff deshalb die Vorlage, und die lieferte für jeden Artikel denselben Text.
Die Beschreibungen waren in Ordnung, jede war einzeln formuliert. Es betraf wirklich nur den Titel.
Warum das mehr kostet, als es aussieht
Der Titel ist die blaue Zeile im Suchergebnis. Er ist das Erste, was ein möglicher Kunde von deinem Artikel liest, und eines der wichtigsten Signale dafür, wofür eine Seite überhaupt infrage kommt.
Vierundzwanzig Seiten mit identischem Titel sind für eine Suchmaschine vierundzwanzig Seiten, die dasselbe zu sein behaupten. Statt dass jeder Artikel für sein eigenes Thema gefunden wird, konkurrieren sie gegeneinander. Und wer in den Ergebnissen „Strategieberatung Sabrina Fischäß“ liest, erfährt nichts davon, dass der Artikel eigentlich seine Frage zum Cookie-Banner oder zum Kontaktformular beantwortet.
Betroffen waren ausgerechnet die neuesten Artikel, also genau die, die gerade Leser bringen sollten.
Warum so ein Fehler niemandem auffällt
Wenn du deinen eigenen Artikel öffnest, siehst du die Überschrift auf der Seite, und die ist richtig. Den Titel, den Google anzeigt, siehst du höchstens klein im Browser-Tab, und dort schaut niemand hin.
Dazu kommt, dass eine Vorlage auf alles wirkt, was danach kommt. Ein Fehler in einem einzelnen Artikel betrifft einen Artikel. Ein Fehler in einer Vorlage betrifft jeden neuen Artikel, still und ohne Fehlermeldung. Solche versteckten Fehler auf Websites entstehen selten durch schlechte Arbeit. Sie entstehen zwischen zwei Arbeitsschritten, an einer Stelle, für die sich niemand zuständig fühlt.
Und drei Tage später war die Einstellung wieder weg
Am 24. September stand in derselben Vorlage wieder nur der Name der Website. Wie das passiert ist, ließ sich nicht mehr herausfinden, denn das Plugin protokolliert solche Änderungen nicht. Am wahrscheinlichsten ist ein Klick ins falsche Feld beim Bearbeiten einer benachbarten Einstellung.
Ich habe die Vorlage neu gesetzt und mir einen festen Termin gelegt, an dem sie noch einmal geprüft wird. Die Lehre daraus gilt weit über Websites hinaus: Eine Korrektur ist erst erledigt, wenn sie auch ein paar Tage später noch stimmt.
So prüfst du deine eigenen SEO-Titel
Das dauert rund zehn Minuten:
- Gib bei Google site:deinedomain.de ein und scroll durch die Ergebnisse. Steht mehrmals derselbe Titel da, hast du dasselbe Problem.
- Öffne einen neueren Blogartikel und fahr mit der Maus über den Browser-Tab. Der Text dort ist in der Regel der Titel, den Google bekommt.
- Schau in deinem SEO-Plugin nach der Vorlage für Beiträge. Dort sollte ein Platzhalter für den Artikeltitel stehen, bei Yoast heißt er %%title%%.
- Prüf die Seiten einzeln, mit denen du Geld verdienst, also Angebots- und Produktseiten. Dort lohnt sich ein Titel von Hand, der den Begriff enthält, unter dem man dich finden soll.
- Leg dir einen Termin in vier Wochen und schau noch einmal nach.
Ob deine Seiten danach besser gefunden werden, siehst du in der Google Search Console. Rechne dabei mit ein paar Wochen, bis Google die neuen Titel übernommen hat.
So hilft dir KI dabei
Gefunden hat den Fehler bei mir die KI, mit der ich jeden Tag arbeite. Sie hat alle 204 Adressen ausgelesen und die Titel nebeneinandergelegt. Genau darin liegt ihre Stärke: gleichförmiges Vergleichen über sehr viele Seiten, bei dem ein Mensch nach der zwanzigsten Seite nicht mehr genau hinschaut.
Damit das funktioniert, braucht die KI allerdings Kontext. Sie muss wissen, welche Seiten dir wichtig sind, welche Begriffe du besetzen willst und was eine Verkaufsseite von einem Rechtstext unterscheidet. Ohne dieses Wissen bekommst du eine lange Liste, in der der wichtige Fund zwischen hundert unwichtigen steht. Das Ergebnis prüfst du in jedem Fall selbst, bevor du etwas änderst.
Wie ich meine KI so eingerichtet habe, dass sie meine Website und meine Prioritäten kennt, steht bei Claude Brain.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Titel und Überschrift?
Die Überschrift steht sichtbar auf deiner Seite. Der Titel steht im Quelltext und wird von Google als blaue Zeile im Suchergebnis angezeigt. Beide dürfen gleich sein, müssen es aber nicht.
Wie lang sollte ein SEO-Titel sein?
Etwa 50 bis 60 Zeichen. Was länger ist, schneidet Google ab. Das Wichtigste gehört deshalb an den Anfang.
Schreibt Google meinen Titel nicht sowieso selbst um?
Manchmal ersetzt Google einen Titel durch eine eigene Formulierung. Verlassen solltest du dich darauf nicht. Ein sauberer eigener Titel ist die bessere Ausgangslage.
Wie oft sollte ich meine Titel prüfen?
Nach jeder größeren Änderung an der Website oder am SEO-Plugin und sonst etwa einmal im Quartal.
Kann KI meine SEO-Titel schreiben?
Vorschläge macht sie gut, und beim Prüfen vieler Seiten ist sie schneller als jeder Mensch. Damit die Titel zu dir passen, muss sie wissen, welche Begriffe du besetzen willst und welche Seiten dir wichtig sind. Ob ein Titel hält, was die Seite verspricht, entscheidest du beim Gegenlesen.
Willst du wissen, was Google auf deiner Website sieht?
Die Website-Analyse schaut aus fünf Perspektiven auf deine Seite, eine davon lautet: Finden dich Google und ChatGPT? Du bekommst für jede Perspektive Punkte von 0 bis 100 und siehst, wo sich Arbeit zuerst lohnt.
