Die teuersten Verträge in einem Betrieb sind selten die großen. Es sind die kleinen, die per Lastschrift abgehen, auf einer Sammelrechnung stehen und irgendwann niemandem mehr auffallen. Wer seine Webhosting-Kosten einmal Zeile für Zeile prüft, findet dort erstaunlich oft Geld, das seit Jahren für nichts bezahlt wird.
Vier Verträge, einer davon arbeitet
Bei einem Kunden habe ich nach dem Umzug seiner zwei Websites das Kundenkonto beim Hosting-Anbieter durchgesehen. Dort liefen vier Verträge. Gebraucht wurde genau einer: Auf ihm lagen die Websites, die Domains und alle 23 E-Mail-Adressen des Betriebs.
Zwei der anderen drei hatten bis zum Umzug die alten Websites getragen. Das war berechtigt, nur hat nach dem Umzug niemand daran gedacht, sie zu beenden. Der dritte Vertrag lief seit Oktober 2018, und auf ihm lag nie eine Domain. Das sind rund 93 Monate. Zum heutigen Preis gerechnet sind das etwa 1.300 Euro für eine Leistung, die es nie gab.
Warum das niemand bemerkt
Alle vier Verträge standen auf einer einzigen Rechnung über 58,32 Euro im Monat. Der Betrag ging per Lastschrift ab, war klein genug, um nicht aufzufallen, und sah nach „gehört halt zur Website“ aus.
Welcher Anteil auf welchen Vertrag entfällt, steht nur in der PDF-Rechnung. Die öffnet im Alltag niemand, denn wozu auch? Die Website läuft, die E-Mails kommen an, und die Abbuchung ist jeden Monat gleich.
Erst mit der Aufschlüsselung wird es deutlich: Von 58,32 Euro arbeiteten 14,42 Euro. Der Rest, 43,90 Euro im Monat oder 526,80 Euro im Jahr, bezahlte drei Verträge, die nichts taten.
Der Ausstieg ist so gebaut, dass man zögert
Der zweite Teil der Geschichte hat mich fast mehr beschäftigt als die Zahlen. Wer im Kundenkonto kündigen will, bekommt vor dem letzten Schritt ein Rabattangebot eingeblendet: den Vertrag für zwölf Monate mit 75 Prozent Rabatt verlängern. Dazu kommt ein Knopf mit der Aufschrift „Zahlungspflichtig verlängern“ und eine Warnung, die eigene Webpräsenz könne nach einer Kündigung von anderen registriert werden, um unter dem eigenen Namen aufzutreten.
Das ist geschickt gemacht. Wer unsicher ist, ob an diesem Vertrag vielleicht doch etwas hängt, klickt im Zweifel lieber auf Verlängern. Und genau so bleiben solche Verträge Jahr für Jahr bestehen.
Was die Kündigung gebracht hat
Bevor gekündigt wurde, habe ich geprüft, woran was hängt. Das Ergebnis war eindeutig: Keine einzige E-Mail-Adresse und keine Domain lag auf den drei überflüssigen Verträgen. Die Kündigung war damit gefahrlos.
Die drei Verträge sind inzwischen gekündigt, und das hat problemlos geklappt. Mein Kunde zahlt künftig 14,42 Euro statt 58,32 Euro im Monat, also rund ein Viertel. Die 526,80 Euro im Jahr bleiben ab jetzt im Betrieb.
So prüfst du deine eigenen Webhosting-Kosten
- Öffne die letzte Rechnung deines Hosting-Anbieters als PDF, nicht nur den Kontoauszug.
- Schreib zu jeder Vertragsnummer auf, welche Website, welche Domain und welche E-Mail-Adressen daran hängen.
- Wenn du zu einem Vertrag nichts aufschreiben kannst, ist das dein Kandidat.
- Prüfe vor jeder Kündigung, ob E-Mail-Postfächer oder Domains an diesem Vertrag hängen. Sonst sind nach der Kündigung Adressen weg, die du noch brauchst.
- Kündige über das Kundenkonto und lies jeden Knopf, bevor du klickst. Der Rabatt-Knopf verlängert kostenpflichtig.
Der beste Moment für die Prüfung: nach jedem Umzug
In diesem Fall war der Auslöser ein Website-Umzug. Genau das ist der typische Moment, in dem überflüssige Verträge entstehen. Die neue Website läuft, alle sind froh, dass es geklappt hat, und die alten Verträge laufen einfach weiter, weil niemand die Aufgabe hat, sie zu kündigen.
Wenn du deine Website umziehst, neu aufsetzt oder den Anbieter wechselst, gehört deshalb ein letzter Schritt dazu: die Liste aller alten Verträge, Domains und Pakete durchgehen und bei jedem entscheiden, ob er noch gebraucht wird. Das dauert eine halbe Stunde. Wer ihn auslässt, bezahlt womöglich jahrelang dafür, ohne es zu merken.
Das gilt auch für alles, was an der Website hängt: Domains für alte Projekte, zusätzliche E-Mail-Pakete und Lizenzen für Plugins, die längst deaktiviert sind.
Das Muster dahinter
Solche Kosten sind keine Frage von Schlamperei. Sie entstehen, weil etwas im Hintergrund weiterläuft und genau deshalb niemand hinschaut. Dasselbe passiert mit Plugin-Lizenzen, Software-Abos und Backups, die seit Monaten ins Leere sichern. Was bei einer Website im Hintergrund alles unbemerkt läuft, habe ich in Was auf deiner Website kaputt ist, ohne dass du es merkst und in Was ein einziger Betreuungsmonat auf einer Website findet beschrieben.
So hilft dir KI bei der Prüfung
Die Aufschlüsselung in diesem Fall habe ich mit KI gemacht. Claude hat die Verträge ausgelesen, jedem Vertrag die Websites, Domains und Postfächer zugeordnet und die drei überflüssigen markiert. Jede Aussage habe ich danach im Kundenkonto gegengeprüft, bevor gekündigt wurde.
Für deine eigene Prüfung braucht die KI keinen Zugang zu deinem Kundenkonto. Entscheidend ist, dass sie weiß, womit sie es zu tun hat:
- Beschreib ihr, welche Websites du betreibst, welche E-Mail-Adressen du nutzt und wofür.
- Gib ihr die Vertragsübersicht oder die PDF-Rechnung, bei Bedarf ohne Kundennummern.
- Frag, ob Verträge und Nutzung zusammenpassen und welcher Vertrag keiner Website oder keinem Postfach zugeordnet ist.
- Prüf jede Aussage selbst im Kundenkonto nach, bevor du etwas kündigst.
Die Antwort ist so gut wie der Kontext, den die KI über deinen Betrieb hat. Wenn sie deine Websites, Abläufe und Entscheidungen schon kennt, weil sie in einem System festgehalten sind, musst du das nicht jedes Mal neu erklären. Genau dafür habe ich Claude Brain entwickelt.
Häufige Fragen
Wie finde ich heraus, welche Hosting-Verträge ich habe?
Im Kundenkonto deines Anbieters gibt es eine Vertragsübersicht. Die PDF-Rechnung zeigt zusätzlich, was jeder Vertrag kostet.
Kann ich einen Hosting-Vertrag einfach kündigen?
Ja, aber vorher solltest du prüfen, ob Domains oder E-Mail-Postfächer daran hängen. Die Kündigung wirkt meist zum nächsten Verlängerungstermin.
Soll ich das Rabattangebot beim Kündigen annehmen?
Nur wenn du den Vertrag wirklich brauchst. Ein Rabatt auf eine Leistung, die du nicht nutzt, spart nichts.
Darf ich einer KI meine Hosting-Verträge zeigen?
Ja, wenn du vorher Kundennummern, Zahlungsdaten und Zugangsdaten entfernst. Für die Zuordnung braucht sie nur, welche Pakete du bezahlst und welche Websites und Postfächer du nutzt. Jede Aussage prüfst du im Kundenkonto nach, bevor du etwas kündigst.
Wer schaut bei deiner Website in den Hintergrund?
In der Webseitenbetreuung schaue ich regelmäßig auf Technik, Sicherungen, Verträge und alles, was sonst still weiterläuft. Solche Funde gehören dazu.
