Diese Woche hat mir ein Unternehmer geschrieben, der seine Website mit meinem Analyse-Werkzeug getestet hat. Er nannte sie selbst furchtbar. Die Seite ist bald zehn Jahre alt, und eigentlich braucht er sie nicht mehr. Er plant nur noch Seiten für einzelne Produkte: zuerst eine Landingpage mit den Informationen, dann die Verkaufsseite.
Das klingt vernünftig. Es hat nur einen Haken. Wer seinen Namen googelt, landet nicht auf der neuen Landingpage. Er landet auf der zehn Jahre alten Seite, weil Google die seit zehn Jahren kennt.
Deshalb ist meine Antwort auf die Frage aus der Überschrift eindeutig: Ja, du solltest deinen digitalen Auftritt prüfen und aufräumen. Und zwar bevor du etwas Neues baust. Alles, was über dich online steht, arbeitet weiter, auch wenn du es längst abgeschrieben hast.
Warum der alte Auftritt weiter für dich spricht
Ein Interessent sieht dich zum ersten Mal. Er weiß nicht, welche Seite aktuell ist und welche du innerlich schon aufgegeben hast. Er nimmt, was er findet, und bildet sich daraus ein Urteil.
Was er dabei findet, ist meistens eine Mischung aus verschiedenen Jahren:
- eine Website mit Angeboten, die es so nicht mehr gibt, oder mit alten Preisen
- ein Google-Unternehmensprofil mit falschen Öffnungszeiten oder einer alten Telefonnummer
- Social-Media-Profile, auf denen der letzte Beitrag zwei Jahre alt ist
- Einträge in Branchenverzeichnissen mit der Adresse von damals
- einen Link in der Bio, der ins Leere führt
Jedes einzelne davon ist eine Kleinigkeit. Zusammen ergeben sie ein Bild, das du nie so entworfen hast. Der Interessent fragt sich dann vor allem eines: ob es dich noch gibt.
Dein Auftritt ist mehr als die Seite, an der du gerade baust
Der eigentliche Denkfehler liegt woanders. Wer viele Ideen hat, baut gern die nächste Seite, das nächste Produkt, die nächste Landingpage. Das Neue ist spannend, das Alte ist erledigt. Für dich stimmt das. Für alle anderen gilt es erst, wenn du es auch im Netz erledigt hast.
Dein digitaler Auftritt ist die Summe von allem, was jemand findet, wenn er deinen Namen oder deine Firma sucht. Die neue Seite ist ein Teil davon. Die alte gehört genauso dazu, solange sie online ist.
Dazu kommt ein zweiter Punkt, der bei reinen Produktseiten gern untergeht. Wenn jedes Produkt seine eigene Seite hat und es keinen Ort gibt, der sie verbindet, findet ein Kunde von Produkt A nie heraus, dass es Produkt B gibt. Du verkaufst dann mehrere Dinge nebeneinander, und keines profitiert vom anderen. Das ist dasselbe Problem, das ich gerade bei KI-Websites ohne Konzept beschrieben habe: viele fertige Einzelteile, aber kein Ganzes.
So prüfst und bereinigst du deinen digitalen Auftritt
Für den ersten Durchgang brauchst du ungefähr zwei Stunden. Danach reicht ein kurzer Blick zweimal im Jahr.
1. Such dich selbst
Öffne ein privates Browserfenster, damit Google deine bisherigen Suchen nicht einrechnet. Such nach deinem Namen, nach deinem Firmennamen und nach beidem zusammen mit deinem Ort. Schreib dir die ersten zehn Treffer auf, mit Link. Das ist dein Auftritt aus Sicht eines Fremden.
2. Mach eine Liste aller Orte, an denen du stehst
Ergänze die Treffer um alles, was du selbst noch weißt: alte Websites und Landingpages, dein Google-Unternehmensprofil, alle Social-Media-Konten, Branchenverzeichnisse, Plattformen, auf denen du früher verkauft hast, und Profile bei Netzwerken. Erst wenn alles auf einer Liste steht, siehst du, wie viel da draußen eigentlich unterwegs ist.
3. Triff für jeden Eintrag eine Entscheidung
Für jeden Ort gibt es drei Möglichkeiten: aktualisieren, umleiten oder schließen. Meine Faustregel dafür: Was du in den nächsten zwölf Monaten nicht pflegen wirst, wird geschlossen oder leitet auf etwas Aktuelles weiter. Ein ehrlich geschlossenes Profil schadet dir weniger als eines, das seit Jahren stillsteht.
4. Nimm die alte Website nicht einfach vom Netz
Eine alte Seite hat oft etwas, das eine neue erst mühsam aufbauen muss: Google kennt sie, andere Seiten verlinken auf sie. Wenn du sie abschaltest, ist das weg. Besser ist eine Weiterleitung. Leite jede wichtige alte Seite auf die passende neue Seite um, die Startseite auf deine neue Startseite. Bis dahin gilt: Impressum, Datenschutzerklärung und Kontaktdaten müssen stimmen, auch auf der Seite, die du nicht mehr magst. Wie du die Datenschutzerklärung prüfst, steht in diesem Artikel.
5. Schaff einen Ort, der alles zusammenhält
Wenn du auf einzelne Produktseiten umstellst, brauchst du trotzdem eine Seite, auf der klar wird, wer du bist und was es bei dir alles gibt. Das kann deine Startseite sein, eine schlanke Übersichtsseite oder dein Profil. Wichtig ist, dass jede Produktseite dorthin verweist und umgekehrt. Dann wird aus vielen Einzelteilen ein Auftritt.
6. Prüf deine Links
Klick jeden Link in deinen Profilen, in deiner E-Mail-Signatur und auf deinen Seiten einmal selbst an. Ein toter Link ist der schnellste Weg, einen interessierten Menschen wieder zu verlieren. Warum gerade der Link in der Bio so teuer werden kann, habe ich in diesem Artikel aufgeschrieben.
7. Trag dir den nächsten Termin ein
Zweimal im Jahr reichen. Such dich wieder selbst, geh deine Liste durch und frag dich bei jedem Eintrag, ob er noch zu dem passt, was du heute anbietest.
Was du davon hast
Ein aufgeräumter Auftritt bringt dir nicht über Nacht mehr Anfragen. Er sorgt aber dafür, dass die Menschen, die dich ohnehin finden, ein stimmiges Bild bekommen. Und er sorgt dafür, dass deine neuen Seiten nicht gegen deine alten antreten müssen.
Wenn du wissen willst, wie deine Website von außen wirkt, fang mit der kostenlosen Website-Analyse an. Und wenn du schon weißt, dass bei dir einiges zu tun ist, aber nicht, in welcher Reihenfolge: Genau dafür gibt es den Schnellstart-Fahrplan. Du bekommst schriftlich, was zuerst dran ist, was warten kann und was du dir sparen kannst.
Häufige Fragen
Soll ich eine alte Website löschen oder weiterleiten?
In den meisten Fällen weiterleiten. Eine Weiterleitung nimmt die Besucher und das, was Google über die alte Seite weiß, mit auf die neue. Ein Löschen ohne Weiterleitung führt zu Fehlerseiten, und jeder Link auf die alte Seite läuft ins Leere.
Wie oft sollte ich meinen digitalen Auftritt prüfen?
Einmal gründlich, danach zweimal im Jahr. Zusätzlich immer dann, wenn sich bei dir etwas Grundsätzliches ändert: neue Adresse, neue Preise, ein neues Angebot oder ein Angebot, das du einstellst.
Ist ein inaktives Social-Media-Profil schlimm?
Es ist nicht verboten, aber es wirkt. Ein Profil, dessen letzter Beitrag Jahre alt ist, lässt Fremde fragen, ob es dich noch gibt. Wenn du es nicht mehr pflegen willst, schreib in die Beschreibung, wo man dich heute findet, oder schließ es.
Was gehört alles zum digitalen Auftritt?
Alles, was jemand findet, wenn er nach dir oder deiner Firma sucht: Websites, Landingpages, das Google-Unternehmensprofil, Social-Media-Profile, Branchenverzeichnisse, Bewertungsportale, Plattformen, auf denen du verkaufst, und die Links, die zu dir führen.
