Eine kostenlose Website-Analyse ist in den meisten Fällen ein Verkaufsgespräch mit Diagnose-Anstrich. Wer sie verschenkt, finanziert sie über das, was danach verkauft wird. Damit steht das Ergebnis im Grunde schon fest, bevor jemand deine Seite überhaupt geöffnet hat.
Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Rechnung, die du kennen solltest, bevor du einer solchen Analyse glaubst.
Kommt dir das bekannt vor?
Fast jeder Unternehmer mit einer Website hat das schon erlebt. Jemand meldet sich, hat sich deine Seite angesehen und schickt eine Liste mit Auffälligkeiten: Ladezeit, Mobilansicht, veraltetes Design, fehlende Suchbegriffe. Das Ganze ist kostenlos, freundlich formuliert und sieht nach Substanz aus.
Am Ende der Liste steht ein Angebot für eine neue Website.
Die Analyse findet, was der Absender verkauft
Diese Analysen kommen bemerkenswert oft zum selben Ergebnis. Das liegt nicht daran, dass alle Websites dasselbe Problem hätten. Es liegt daran, dass der Absender ein Ergebnis braucht, das zu seinem Angebot passt.
Wer Websites baut, findet Gründe für eine neue Website. Wer Werbeanzeigen schaltet, findet zu wenig Reichweite. Wer Social Media betreut, findet einen vernachlässigten Kanal. Jeder schaut durch die Brille seines eigenen Angebots, und meistens merkt er es nicht einmal.
Warum das trotzdem kein Betrug ist
Die meisten dieser Analysen sind ernst gemeint und handwerklich ordentlich. Sie sind nur finanziert durch das, was danach kommt. Der Anbieter investiert Zeit, weil hinter der Analyse ein größeres Projekt stehen kann. Das ist eine legitime Rechnung.
Das Problem entsteht erst, wenn du sie für eine unabhängige Einschätzung hältst.
Was dir dabei verloren geht
Eine solche Analyse sagt dir, was du kaufen sollst. Sie sagt dir fast nie, was du liegen lassen kannst.
Genau das wäre aber bei knapper Zeit und knappem Budget die wertvollste Information. Vielleicht ist deine Website völlig in Ordnung und dein eigentliches Problem liegt ganz woanders, etwa im Angebot, in der Preisgestaltung oder darin, dass niemand auf die Seite geschickt wird. Eine Analyse, die am Ende eine neue Website verkaufen muss, kann dir das nicht sagen.
Woran du eine Verkaufs-Analyse erkennst
Kostenlose Analysen unterscheiden sich. Ein paar Anzeichen verraten ziemlich zuverlässig, ob du eine Einschätzung bekommst oder ein Angebot:
- Die Analyse kam, ohne dass dich vorher jemand nach deinen Zielen gefragt hat.
- Fast alle Punkte sind technisch: Ladezeit, Code, Design, Suchbegriffe.
- Kein Punkt betrifft dein Angebot, deine Kunden oder die Frage, wie Anfragen heute bei dir ankommen.
- Am Ende steht eine Lösung, die genau zum Angebot des Absenders passt.
- Es gibt eine Frist oder einen Rabatt, wenn du schnell zusagst.
Je mehr davon zutrifft, desto eher ist es ein Angebot mit Analyse-Einleitung.
Was eine gute Einschätzung vorher von dir wissen will
Eine Einschätzung, die dir wirklich weiterhilft, beginnt mit Fragen an dich. Was willst du mit deiner Website erreichen? Wer sind deine Kunden, und wie finden sie heute zu dir? Was hast du schon ausprobiert, und was hat nicht funktioniert? Wie viel Zeit und Budget kannst du realistisch einsetzen?
Ohne diese Antworten kann niemand beurteilen, ob deine Website das Problem ist. Er kann nur beurteilen, ob sie seinen eigenen Maßstäben entspricht, und das ist eine ganz andere Frage.
Eine Einschätzung, die nichts verkaufen muss
Eine Einschätzung, die nichts verkaufen muss, kann zu jedem Ergebnis kommen. Auch zu: Deine Website ist in Ordnung, lass sie in Ruhe. Oder: Diese drei Punkte kosten dich nichts, lass sie liegen. Diese Freiheit ist der eigentliche Unterschied, und sie ist der Grund, warum man für eine solche Einschätzung bezahlt, statt sie geschenkt zu bekommen.
Ich baue selbst Websites. Trotzdem habe ich einem Unternehmer, der einen kompletten Neubau wollte, im Sommer schriftlich davon abgeraten. Stattdessen habe ich ihm zwei technische Bausteine angeboten, die zusammen weniger kosteten. Der Neubau wäre für mich das größere Geschäft gewesen.
Drei Fragen, mit denen du jede Analyse prüfst
- Was verkauft die Person, die mir diese Analyse schickt?
- Steht in der Analyse ein einziger Punkt, den ich ausdrücklich nicht angehen soll?
- Könnte das Ergebnis auch lauten: „Alles in Ordnung, investiere dein Geld woanders“? Wenn nicht, war es ein Angebot.
Wenn du alle drei Fragen ehrlich beantwortest, weißt du, wie viel Gewicht die Analyse verdient.
So hilft dir KI dabei
Du kannst eine kostenlose Analyse von KI gegenprüfen lassen. Entscheidend ist, dass die KI weiß, worum es in deinem Betrieb geht:
- Beschreib ihr, was du anbietest, wer deine Kunden sind und wie sie heute zu dir kommen.
- Gib ihr die Analyse, die du bekommen hast.
- Frag, welche Punkte wirklich zu deinem Ziel passen, welche vor allem zum Angebot des Absenders passen und was du liegen lassen kannst.
- Prüf die Antwort mit deinem eigenen Wissen über deinen Betrieb, bevor du entscheidest.
Je besser die KI deinen Betrieb kennt, desto brauchbarer wird diese Gegenprüfung. Genau dafür habe ich Claude Brain entwickelt.
Häufige Fragen
Ist eine kostenlose Website-Analyse wertlos?
Nein. Sie zeigt oft echte technische Punkte. Du solltest nur wissen, aus welcher Perspektive sie geschrieben ist.
Woran erkenne ich eine unabhängige Einschätzung?
Daran, dass sie auch zu dem Ergebnis kommen darf, dass du nichts kaufen musst.
Brauche ich eine neue Website, wenn die Analyse das empfiehlt?
Nicht automatisch. Prüf zuerst, ob das eigentliche Problem wirklich die Website ist.
Kann eine KI meine Website besser analysieren als ein kostenloser Check?
Sie kann eine Analyse gegenprüfen und dir sagen, welche Punkte zu deinem Ziel passen und welche vor allem zum Angebot des Absenders. Wie gut ihr das gelingt, hängt davon ab, wie viel sie über deinen Betrieb weiß. Ohne diesen Kontext liefert sie dieselben Standardhinweise wie jeder andere Check.
Du willst wissen, was bei dir wirklich dran ist?
Im Fahrplan schaue ich auf deinen ganzen Betrieb, vom Angebot bis zur Website. Am Ende kann deshalb auch stehen, dass du deine Website in Ruhe lässt und dein Geld woanders einsetzt.
