98 Prozent haben zugestimmt, ihr erstgeborenes Kind abzugeben. Zwei Forscher der University of Connecticut hatten für ein Experiment ein soziales Netzwerk erfunden und genau diese Klausel in seinen Nutzungsbedingungen versteckt. Fast alle Teilnehmer haben trotzdem auf „Akzeptieren“ geklickt.
Mir ist das neulich wieder eingefallen. Anthropic, das Unternehmen hinter meiner KI Claude, hat seine Nutzungsregeln aktualisiert, und ich habe die Mail ausnahmsweise gelesen. Dabei bin ich an einem Punkt hängen geblieben, über den ich einen eigenen Artikel geschrieben habe: ob ich meine KI weiter „dummer Azubi“ nennen darf. Fast spannender war, was danach passiert ist. Ich habe mit ein paar Leuten über die neuen Regeln gesprochen, und keiner hatte sie gelesen.
Wir klicken, damit es weitergeht
Das ist kein Vorwurf, ich klicke ja selbst meistens durch. Deloitte hat 2.000 Verbraucher in den USA befragt: 91 Prozent akzeptieren Nutzungsbedingungen, ohne sie zu lesen, bei den 18- bis 34-Jährigen sind es sogar 97 Prozent. Der Grund ist simpel. Die Bedingungen stehen zwischen uns und der Arbeit, die wir erledigen wollen.
Bei einer Taschenlampen-App ist das egal. Bei einer KI, in die du jeden Tag Angebote, Kundennamen, Zahlen und halbe Geschäftsgeheimnisse tippst, sieht das anders aus.
Wo es konkret wird
Eine Situation, die ständig vorkommt: Du lässt die KI eine Antwort an einen Kunden formulieren und kopierst dafür seine ganze Anfrage hinein, mit Namen, Firma und Budget. Ob der Anbieter solche Eingaben zum Training seiner Modelle verwenden darf, hängt an einer Einstellung, die viele noch nie geöffnet haben.
Stell dir vor, du weißt bei jedem KI-Werkzeug, das du nutzt, in zwei Sätzen, was mit deinen Eingaben passiert. Dann arbeitest du mit gutem Gewissen und weißt genau, wo deine Grenze liegt.
Ich habe das für mich Anfang Oktober erledigt: das Training mit meinen Daten abgeschaltet und aufgeschrieben, was bei mir grundsätzlich nie in eine KI wandert. Mehr war es nicht.
Drei Stellen, die du kennen solltest
1. Darf der Anbieter mit deinen Eingaben trainieren?
Viele KI-Anbieter dürfen deine Chats nutzen, um ihre Modelle zu verbessern, solange du nicht widersprichst. Meist lässt sich das abschalten. Bei Claude findest du den Schalter in den Einstellungen unter Datenschutz, bei ChatGPT unter Datenkontrollen. Für Team- und Unternehmenskonten gelten oft eigene Bedingungen, dort ist das Training häufig von vornherein ausgeschlossen.
2. Was darfst du mit den Ergebnissen machen?
Die großen Anbieter überlassen dir in der Regel die Rechte an dem, was die KI für dich erstellt. Bei kleineren Werkzeugen und Bildgeneratoren lohnt sich trotzdem ein Blick. Und eines bleibt immer bei dir: die Verantwortung für das, was du veröffentlichst.
3. Wofür darfst du die KI nicht einsetzen?
Jeder Anbieter hat eine Liste mit verbotenen Zwecken. Das meiste davon betrifft dich als Selbstständige nie. Genauer hinschauen solltest du, wenn du automatisierst: wenn die KI in deinem Namen mit Kunden schreibt oder wenn es um Gesundheit, Recht, Finanzen oder Entscheidungen über Menschen geht. Für solche Einsätze gelten bei vielen Anbietern zusätzliche Auflagen.
So gehst du vor
- Schreib auf, welche KI-Werkzeuge du nutzt, auch die kleinen im Browser oder in anderen Programmen.
- Öffne bei jedem die Datenschutz-Einstellungen und entscheide bewusst, ob mit deinen Eingaben trainiert werden darf.
- Durchsuch die Bedingungen mit der Suchfunktion deines Browsers nach Wörtern wie „Training“, „Ergebnisse“ oder „Output“ und „verboten“. So findest du die wichtigen Stellen, ohne alles lesen zu müssen.
- Leg eine kurze Liste an, was bei dir nie in eine KI gehört.
- Wenn noch jemand für dich mit KI arbeitet, gib ihm genau diese Liste.
Ich bin keine Juristin, und das hier ersetzt keine Rechtsberatung. Für den Arbeitsalltag bringen dich diese fünf Schritte aber sehr weit. Mehr zu Kennzeichnung und Datenschutz findest du in meinem Artikel KI im Betrieb.
Lesen musst du nicht alles
Niemand muss jede Zeile seiner Nutzungsbedingungen kennen. Die drei Stellen oben solltest du aber einmal angeschaut haben, bevor du der KI deine Kundendaten anvertraust.
Wenn du das für deinen ganzen Betrieb klären willst, also welche Werkzeuge im Einsatz sind, welche Daten wohin gehen und welche Regeln dein Team braucht, dann ist der KI-Check genau dafür da.
Wann hast du zuletzt nachgesehen, was mit deinen Eingaben passiert?
