KI ausprobieren statt darüber nachdenken: Warum du dich selbst ausbremst

Beitragsbild: Einfach mal machen.

Ich glaube, dass extrem viele gute Ideen nie das Licht der Welt erblicken. Sie bleiben auf der Strecke, weil jemand zu lange über sie nachdenkt, sie perfekt machen will und deshalb nie anfängt.

Bei KI sehe ich das gerade besonders oft. Neulich habe ich mit einer Unternehmerin gesprochen, die mit KI arbeitet, aber mit angezogener Handbremse. Sie traut sich nicht, der KI Zugriff auf ihren Computer, ihre Systeme und ihre Accounts zu geben. Sie hat Angst vor den Folgen: rechtlich, beim Datenschutz, bei der Sicherheit.

Dabei weiß sie genau, wie viel möglich wäre, wenn sie diese Hürde nehmen würde. Stattdessen sitzt sie den halben Tag im Büro und arbeitet Dinge selbst ab, die mit KI eine Sache von Minuten wären.

Über KI nachdenken kostet auch Zeit

So geht es meiner Meinung nach sehr vielen. Es wird viel über KI nachgedacht und wenig mit ihr gearbeitet. Man überlegt, wie das Ergebnis wohl wäre, wie viel schneller man sein könnte und was alles schiefgehen kann. Das kostet Zeit und Energie, und am Ende weiß man genauso wenig wie vorher, weil man es nie ausprobiert hat.

In Unternehmen ist das Thema doppelt so groß. Dort fragt sich jeder, was mit dem Datenschutz ist, was mit den Kundendaten passiert und wer haftet, wenn etwas schiefgeht. Diese Fragen sind berechtigt. Beantwortet werden sie aber selten, weil niemand den ersten Schritt macht, an dem man sie beantworten könnte.

Mein Wendepunkt

Bei mir ist die Produktivität in dem Moment explodiert, in dem ich aufgehört habe, mit der KI darüber zu reden, was man alles könnte. Stattdessen habe ich gesagt: Lass uns das einfach mal machen.

Dabei habe ich in Kauf genommen, dass ich manches für die digitale Schublade baue. Dass ich merke, dass sich etwas so nicht umsetzen lässt, wie ich es mir vorgestellt habe. Oder dass das Ergebnis nicht reicht. Im schlimmsten Fall habe ich eine Stunde verloren. Dafür weiß ich danach, was möglich ist und was nicht. Das ist viel weniger Aufwand, als tagelang selbst an einer Aufgabe zu sitzen und mich immer wieder zu fragen, was wohl passieren würde, wenn die KI sie übernimmt.

Genau das habe ich der Unternehmerin auch geraten: einfach mal machen, statt immer nur darüber nachzudenken.

Die Bedenken sind berechtigt, der Stillstand ist es nicht

Wer einer KI Zugriff auf Mails, Kundendaten oder Konten gibt, sollte wissen, was er tut. Zwischen „alles freigeben“ und „gar nichts freigeben“ liegt aber sehr viel Platz. Genau dort fängst du an.

So fängst du an, mit überschaubarem Risiko

  1. Nimm eine Aufgabe, die dich nervt und bei der nichts Schlimmes passiert, wenn das Ergebnis schlecht ist. Dateien umbenennen und sortieren, eine Tabelle aufräumen, einen ersten Entwurf schreiben.
  2. Fang ohne Kundendaten an. Ein eigener Testordner mit Kopien oder ausgedachten Beispielen reicht, um zu sehen, was die KI kann.
  3. Gib Zugriff in kleinen Schritten. Erst ein einzelner Ordner, nicht der ganze Rechner. Erst ein Konto, nicht alle.
  4. Behalte die Freigabe bei dir. Alles, was nach außen geht, also Mails, Beiträge oder Zahlungen, schaust du dir an, bevor es rausgeht. So arbeite ich selbst.
  5. Gib dir ein Zeitlimit. Eine Stunde. Danach entscheidest du: weitermachen, anders versuchen oder ab in die Schublade.
  6. Kläre den Datenschutz, bevor echte Kundendaten ins Spiel kommen. Welcher Anbieter, welcher Vertrag, wo werden die Daten verarbeitet. Einen Überblick dazu findest du in KI im Betrieb.

Was du nach der ersten Stunde weißt

Nach der ersten Stunde hast du kein perfektes System. Du hast eine echte Erfahrung, wo du vorher nur eine Vermutung hattest. Du weißt, wo dir die KI Zeit spart, wo sie danebenliegt und welche Bedenken sich in der Praxis von selbst erledigt haben.

Eine Idee, die nie ausprobiert wird, bleibt eine Vermutung, so gut sie auch ist.

Wenn du dir den ersten Schritt nicht allein zutraust: Im Coaching KI am eigenen Arbeitsplatz schauen wir uns deine Abläufe an und probieren es gemeinsam an deinen echten Aufgaben aus. Und wenn du sehen willst, wie mein eigenes System aufgebaut ist, findest du es als Claude Brain.

„So übel gut! Seit du da warst, habe ich mich getraut, mehr mit KI zu machen. Das sollte jeder machen!“
Franziska Oettinger · Alma & Gustl

Häufige Fragen

Ist es gefährlich, einer KI Zugriff auf den eigenen Computer zu geben?

Das hängt davon ab, worauf und wie weit. Wenn die KI nur einen einzelnen Ordner sieht und alles, was nach außen geht, erst nach deiner Freigabe rausgeht, ist das Risiko überschaubar. Kritisch wird es, wenn du ohne Überblick alles auf einmal freigibst.

Wie fange ich mit KI im Unternehmen an, wenn der Datenschutz noch nicht geklärt ist?

Mit Aufgaben, bei denen keine personenbezogenen Daten im Spiel sind: Texte entwerfen, Vorlagen bauen, interne Abläufe beschreiben. Parallel klärst du den Datenschutz für die Fälle, in denen Kundendaten dazukommen.

Wie viel Zeit sollte ich für den ersten Versuch einplanen?

Eine Stunde. Das reicht, um zu sehen, ob eine Aufgabe sich für KI eignet, und es ist wenig genug, um es ohne schlechtes Gewissen einfach zu tun.

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